Tag 2 in Lignano verhielt sich ähnlich anstrengend wir der erste Tag und ich war hauptsächlich damit beschäftigt hinter meinem Sohn herzulaufen und gröberes Unheil zu verhindern. Leider kann er Gefahr noch nicht erkennen und so würde er furchtlos Stufen hinunter springen, an geparkten Fahrrädern bis zum Umfallen zerren oder spitze Gegenstände herumwerfen. Meine Aufgabe bestand nun darin, für seine Sicherheit, die der Mitreisenden sowie Passanten zu sorgen. Die einzigen Stunden, die halbwegs für Entspannung sorgen, waren jene, die wir am Strand verbrachten, da hier wenig Gefahr lauerte und wir weit und breit die einzigen Gäste waren. Diese Mission: „Surviving Lignano“ führte auch am zweiten Tag zu einem abendlichen Erschöpfungszustand meinerseits und so fielen mir um 22:00 Uhr die Augen zu.

Als ich diese am nächsten Tag öffnete, sah ich gleich die nächste Katastrophe auf mich zu kommen. Es regnete in Strömen. Das bedeutete natürlich auch, dass die einzige Zone, in der ich mich mit Flo halbwegs sicher aufhalten konnte, der Strand, wegfiel. In einer kleinen Regenpause machte ich mich mit Flo im Buggy auf den Weg zum Bäcker, da wir im Apartment zum wiederholten mal alle Jausenbrettel, Geschirrspülmittel, Müllsäcke, Küchenrollen und vieles mehr ein- und dann wieder erneut ausgeräumt hatten. Das Resultat unseres kleines Spazierganges war lediglich, dass wir nass waren, denn der Bäcker und auch der Eurospar hatten geschlossen. Als wir zurückkamen, präsentierte ich meiner Freundin, die gemütlich beim Kaffee saß und ihr Baby entspannt im MaxiCosi spielte, den Plan ins Einkaufszentrum zu fahren. Das Wetter würde erst gegen Nachmittag etwas besser werden und etwas Shopping in bella Italia hat noch immer Spaß gemacht. Wie naiv von mir zu glauben, dass das auch mit einem Kleinkind funktionieren würde.

Also rein ins Auto mit uns und nach nicht einmal einer Dreiviertelstunde Fahrzeit hatten wir das Outlet Center Palmanova erreicht. Die beiden Herrschaften fanden zum Glück die italienische Landschaft sehr spannend und so möchte ich fast sagen, dass die Fahrt ganz angenehm war. Das Shopping Center war im Pueblo Stil (wie ein mexikanisches Dorf), angelegt und daher auch nicht überdacht. Mittelmäßig ideal an einem Regentag. Direkt aus dem Kindersitz im Auto kam der Sohnemann nun in den Buggy, was ihn ebenfalls nur mittelmäßig glücklich machte. Nachdem wir durch drei Shops gebummelt waren, reichte es ihm aber mit dem Sitzen und er gab uns ganz klar zu verstehen, dass er raus wollte. Irgendwie auch verständlich und ich begann sofort unser Umfeld nach möglichen Gefahrenstellen abzusuchen. Wie sich herausstellte ist mein Sohn Mode und Schuh begeistert, denn auch in den Geschäften musste er sich alles ganz genau ansehen und danach zu Boden werfen was ihm nicht gefiel. Dinge die ihm gefielen brachte er sofort zu mir oder zu unserem Kinderwagen. So zu mindestens meine Interpretation. Am Arm wollte er nicht bleiben, mir die Hand geben schon gar nicht und somit blieb mir nichts anderes übrig, als ihn herum laufen zu lassen, um eine lautstarke Szene zu vermeiden. „Na, die hat ihr Kind aber gar nicht im Griff!“ hätte ich mir früher wohl gedacht. Die logische Konsequenz war nun natürlich, dass ich alles hinter ihm aufräumen musste und meine eigenen Shopping- Ambitionen damit gestorben waren. Das noch nicht einmal ein halbes Jahr alte Baby meiner Freundin war inzwischen wieder gemütlich im Kinderwagen eingeschlafen und so konnte zu mindestens sie, ihren Shopping- Gelüsten nachgehen.

Mit einer spontanen Wetterverbesserung war nicht zu rechnen und da ich unbedingt in mein Lieblingsschuhgeschäft in Italien „Primadonna“ wollte, nahmen wir noch ein zweites Shopping Center namens Adriatico in Angriff. Ich wollte mir einfach noch nicht ganz eingestehen, dass das unser Shopping- Trip etwas unrund läuft. Dieses war zum Glück überdacht und auf den breiten Gängen konnte Flo halbwegs gefahrlos herumsausen. Aber das mit dem gemütlichen Shopping wollte auch hier nicht so richtig klappen. Nur im Schnellverfahren konnte ich zwei Paar Schuhe auswählen und diese gerade noch probieren. Zwei Preisschilder und ein Blumenstock fielen in der Zwischenzeit meinem Sohnemann zu Opfer. Die freundliche Verkäuferin zeigte sich verständnisvoll, war aber auch sichtlich erleichtert, als wir das Geschäft wieder verließen.

Das Wetter hatte sich nun doch noch etwas gebessert und so stand nun dem rettenden Strand nichts mehr im Wege. Auf Grund der nicht all zu warmen Temperaturen und des feuchten Sandes, erwies sich diese Option auch nur als kurze vorübergehende Lösung. Vom Shopping hatten wir an diesem Tag genug, daher entschieden wir uns für ein vorgezogenes Abendessen. Und Überraschung, es war nicht anders als die beiden davor. Meine Lasagne war noch nicht einmal serviert, wollte Flo schon nicht mehr in seinem Hochstuhl sitzen. Als ich ihn heraushob, entdeckte er auch noch zu allem Überfluss seinen Fußball im Kinderwagen und wollte diesen keinen Falls mehr hergeben. Im Lokal spielen geht schon mal gar nicht, als schlang ich schnell zwei, drei Bissen meiner wirklich köstlich schmeckenden Lasagne hinunter und ging dann mit ihm in die Fußgängerzone eine Runde „kicken“. Obwohl alle italienischen Passanten von den Fußballkünsten meines Sohnes zutiefst beeindruckt waren, hätte ich doch ganz gerne fertig gegessen und eventuell sogar noch das Tiramisu probiert. Meine Freundin verbrachte auch an diesem Abend das Dinner alleine mit ihrem schlafenden Baby im MaxiCosi und ich vermute, sie wünscht sich jetzt schon innerlich, dass das bei ihr einmal ganz anders wird.

Am Rückweg zum Apartment legten wir noch einen längeren Stopp am Spielplatz in der Fußgängerzone ein und dann verlief auch der erste Teil des Abends halbwegs gemütlich. Am nächsten Tag traten wir die Rückreise nach Salzburg an, die zu ertragen war. Zu Hause angekommen übergab ich Flo meinem Freund und verbrachte den Rest des Tages völlig erschöpft auf der Couch. Dieser dreitägige Kurzurlaub nach Lignano war alles andere als erholsam 😉 und ein Reality-Check für mich. Und was für einer! Meine ursprüngliche naive Vorstellung von einem gemütlichen „Mama-Kinder- bella Italia- Trip“ wurde eiskalt von unserem kleinen Entdecker und Welteroberer zerschlagen. Aber das ist gut so! Flo war das erste Mal am Meer, hat in der größten Sandkiste gespielt, konnte Pizzabrot verkosten und seine Liebe zur italienischen Mode entdecken.  😉 Er hatte Spaß und ich muss sagen, dass auch der eine oder andere Moment am Strand dabei war, der mich entspannen ließ. Das ich feststellen musste, dass meine Vorstellungen nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatten, hat mich zwar echt überrascht, aber beim nächsten Mal bin ich besser vorbereitet. Flo und ich unternehmen zwar viel, aber Back-Up ist immer gut…

Im allgemeinen muss ich natürlich sagen, dass sich Lignano sehr gut für einen Familienurlaub eignet, aber das ist wohl auch kein großes Geheimnis. In der Vorsaison läßt es sich am Strand gut aushalten, ein Großteil der Wege und Straßen ist sehr gut mit dem Kinderwagen zu befahren, es gibt einen netten Kinderspielplatz, ganze Automaten Spielhöhlen, familienfreundliche Restaurant und Cafés sowie viele weitere Möglichkeiten in der Nähe. Neben dem Spielplatz in der Fußgängerzone befindet sich das Café Central Park, in dem es z.B einen tollen Wickeltisch gibt. Meine Suche nach einem Wickeltisch am Strand war nicht ganz so erfolgreich… 😉

Es war sicherlich nicht unser letzter Besuch in Lignano, aber das nächste Mal nehmen wir uns Verstärkung mit!

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