„Nach so einer Geburt, da musst du Cranio gehen!“

„Wenn er viel schreit, dann geh auf jeden Fall Cranio.“

„Bei Bauchweh, Cranio hilft mit Sicherheit.“

Diese oder ähnliche Sätze, habe ich seit der Geburt meines Sohnes schon oft zu hören bekommen. Der Begriff „Craniosacrale Therapie“ ist mir jetzt, überhaupt zum ersten Mal untergekommen und ich wußte auch gar nichts damit anzufangen. Aber anscheinend ist Cranio etwas, das man unbedingt nach der Geburt anwenden soll. So sind zumindest die Stimmen in meinem Umfeld.

Ich bin der Sache kurzerhand auf den Grund gegangen und habe Carolin Schallhammer von Birthday um ein Interview gebeten.

Carolin Schallhammer ist Logopädin, Still- und Laktationsberaterin, und Therapeutin für Craniosacrale Biodynamik, Prä- und perinatale Psychologie und körperorientierte Arbeit mit Beziehungs- und Bindungstrauma und ist selbst Mutter von 2 Kindern.

Carolin  arbeitet für die Initiative BirthDay, die sich für individuelle und ganzheitliche Begleitung rund um die Geburt einsetzt. Das BirthDay-Team hat sich auf die Zeit rund um die Geburt spezialisiert und bietet ein breites interdisziplinäres Wissen in verschiedenen Module, Kursen und Einzelbegleitungen an.

Hallo Carolin! Könntet du uns ganz kurz erklären was „Craniosacrale Therapie“ ist?

Carolin: Wenn man vom Wortstamm ausgeht, bedeutet Cranium „Kopf“ und Sacrum „Kreuzbein“ und dazwischen fließt die Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit. Dieses Fließen geschieht in einem sich ausdehnenden und wieder zusammenziehenden Rhythmus. Durch geschulte Wahrnehmung kann man diese Bewegungen spüren. Man spürt sie in den Körperflüssigkeiten, den Knochen, dem Gewebe und ob diese frei und gesund oder komprimiert sind und nicht so frei fließen können. Durch craniosacrale Fertigkeiten und den Blick auf Gesundheit kann man Stellen, die nicht so frei sind, wieder einladen frei und beweglicher zu werden. Eine Kernfrage der Craniosacralen Therapie ist: Was steht der Gesundheit im Weg? Dies kann zum einen etwas körperliches sein, wie z.B. ein überdehnter Nacken von der Geburt oder auch etwas emotionales, wie z.B. ein Todesfall in der Familie während der Schwangerschaft. Jedes Kind geht damit anders um und erlebt seine ganz eigene Geschichte damit. Inwieweit es Unterstützung braucht ist sehr individuell. 

Was machst du konkret bei einer Behandlung?

Nach einem Elterngespräch und bevor ich das Baby berühre, achte ich auf meine eigene Haltung und stelle einen neutralen, achtsamen Zustand in mir her und warte auf die Erlaubnis das Baby zu berühren. Babies reagieren sofort und zeigen, ob sie hier und jetzt gerade arbeiten wollen oder eben nicht.  Craniosacrale Therapie geschieht mit sanfter Berührung. Ich spüre den Menschen als Ganzes und wo seine Kraft und Gesundheit sind. Allein die Ausrichtung zur Gesundheit und Kraft kann ganz viel regenerieren. Die Behandlung bietet Raum um das Baby wahrzunehmen und zu spiegeln, was ein Baby erzählen möchte. Weiters gibt es craniosacrale Fertigkeiten, mit denen man funktionell Spannungen lösen kann. Man begleitet das Kind oder auch den Erwachsenen, wenn es an einer Stelle oder im Gesamten eine Spannung lösen möchte.

Wann empfiehlst Du eine Craniosacrale Therapie?

Ich empfehle craniosacrale Therapie nicht immer und nicht für jedes Baby. Vieles kann sich nach der Geburt von selbst regulieren und auch eine gute Bindung, bei der die Eltern einfühlsam auf das Erleben und was das Kind erzählen möchte, eingehen können, trägt zur Gesundheit, dem Wohlbefinden und zur Selbstregulation bei. Falls Babies aber viel weinen, den Blickkontakt nicht herstellen können, besonders ängstlich oder sehr unruhig sind, Koliken haben oder z.B. die Körperhaltung asymmetrisch ist, dann kann eine Craniosacrale Therapie eine Unterstützung sein, da diese sowohl körperliche und als auch emotionale Leiden positiv beeinflussen kann.

Vielen herzlichen Dank.

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