Wir sind die größten Rabeneltern von da bis Texas. Mein Freund und ich sind 3 Tage nach Amsterdam ohne Flo geflogen und hatten auch noch wirklich Spaß dabei. Kurz habe ich überlegt, ob uns das zu schlechten Eltern macht. Nachdem  aber Flo liebend gerne bei seinen Großeltern ist und ich weiß, dass er dort bestens versorgt ist, haben wir beschlossen, uns ein verlängertes Wochenende ohne unseren Nachwuchs zu gönnen. Es erwies sich als eine sehr gute Entscheidung, denn mir hat es einmal richtig gut getan aus meinem Mama-Alltag auszubrechen und es war einfach schön, wieder einmal etwas mit meinem Freund alleine zu unternehmen, denn schließlich mussten wir darauf jetzt die letzten 15 Monate verzichten.

Amsterdam ist eine tolle Stadt, in der mein Freund und ich schon etliche Male waren, daher hatten wir keinen Touri- Stress, dass wir irgendetwas unbedingt sehen müssten. Wir konnten in der Wohnung eines sehr guten Freundes nächtigen und dieser versorgte uns auch mit Lokal und Ausflugstipps. Fliegen ohne Kind ist wesentlich gemütlicher und auch den ersten Tag gingen wir gleich einmal ganz entspannt an, denn wir schliefen uns bis 11:30 Uhr aus. Ich konnte gar nicht glauben, dass das noch geht, den schließlich bestimmt Flo normalerweise den Zeitpunkt des Erwachens und das ist eher früher als später. Erholt vom vielen Schlaf, bummelten wir durch die Straßen und es war mir völlig gleichgültig, ob es hier zu hohe Randsteine, zu viele Stiegen oder zu schmale Eingänge gab, denn schließlich waren wir ohne Kinderwagen unterwegs. Mit hatte ich nur meine kleine Handtasche und nicht meine immer komplett angestopfte Wickeltasche mit genügend Windeln und Reservekleidung, denn man weiß ja schließlich nie was der Tag so bringt.

Lokalwahl fürs Mittagessen: everything is possible! Ist genügend Platz für den Kinderwagen? Gibts einen Hochstuhl? Wo ist der nächste Wickeltisch? Glaubst du schmeckt Flo asiatisch? Völlig egal! So landeten wir im „HappyHappyJoyJoy“ einem mega hippen asiatischen Restaurant, in dem typisches Streetfood aus Thailand, China und Vietnam serviert wird. Wir genossen es in vollen Zügen einmal gleichzeitig und in Ruhe essen zu können, ohne zuerst Flo füttern zu müssen und danach das eigene Essen nur mehr kalt vorzufinden.

Natürlich fehlte mir mein Sohnemann und so shoppte ich einige Geschenke für ihn, was in Amsterdam ein wahres Kinderspiel ist. Denn hier gibt es viele stylische Kindergeschäfte mit puristischem holländischen Design und jede Menge 2nd- Hand Shops, in denen man auch sehr originelle Outfits erstehen könnte. Bevor es am Nachmittag mit unserem Bummel  weiter ging, stoppten wir schnell in der Wohnung. Beim Eingang konnten wir die Schuhe stehen lassen, ohne dass sie unser Sohnemann verschleppen und im schlimmsten Fall verstecken würde. Auf dem Tisch bei der Couch legte ich mein Telefon und die Schlüssel ab, ebenfalls ohne Sorge, dass diese herumgeworfen oder verschwinden würden. Wir bereiteten uns einen Kaffee zu und tranken ihn in Ruhe und ohne dabei Gefahr zu laufen, von einem auf mich herauskletternden Sohn verbrüht zu werden. Fast wären wir dazu verleitet gewesen uns einen Film auf DVD anzusehen, in einem, ohne Unterbrechung, just because we can. Aber das gute Wetter lockte uns dann doch hinaus und ich möchte sagen, ich war fast begeistert, als ich beim verlassen des Apartments alles dort wiederfand, wo ich es auch hingelegt hatte.

Wir machten uns Richtung Zentrum auf und kamen beim Museumsplain vorbei, wo gerade im Moco Museum eine Banksy Ausstellung stattfand. Ich gehe ja öfters mit Flo ins Museum, aber ohne ein Kleinkind ist es gleich viel weniger Mission. Ich las mir alle Infos zu den Bildern durch, lauschte meinem Audio Guide und konnte tatsächlich die Kunst auf mich wirken lassen, was mit Flo am Arm nicht ganz so gut klappt. Im Anschluß konnte ich mir im Museumsshop alles genau ansehen, ohne Flo davon abhalten zu müssen teuere Poster zu zerreissen oder Bilderrahmen von den Wänden zu zerren.
Am nächsten Tag borgten wir uns Fahrräder aus und fuhren damit nach Amsterdam Nord, eine Gegend, die wir noch garnicht kannten. Ich vermute es wäre auch mit Flo möglich gewesen sich ein passendes Fahrrad auszuborgen, schließlich sind wir ja in Holland, aber es wäre bestimmt komplizierter gewesen. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich einige Male meinen Augen fast nicht trauen konnte, im Hinblick auf Eltern und Kinder am Fahrrad. Hochschwangere, Neugeborene in der Trage, Kleinkinder auf der Lenkstange, mehrere Kinder in einer Kiste, 3 Kinder mit Mama auf einem Fahrrad… hier ist man wesentlich entspannter, was das Fahrradfahren mit Kindern betrifft. Müsste ich mal ausprobieren was passiert, wenn ich mit Flo in der Rückentrage auf meinem Fahrrad durch die Salzburger Innenstadt radle. Da gäbe es bestimmt ein paar interessante Kommentare.

Es war toll, dass wir uns den Tag ganz flexibel einteilen konnten und uns nicht nach dem Mittagsschlaf unseres Sohnes orientieren mussten. Denn fällt dieser zu spät aus, gibt es am Abend kein Ende. Aber in Amsterdam war das völlig egal und so konnten wir uns gemütlich treiben lassen und genau das machen, worauf wir Lust hatten. Ich möchte das Gefühl fast schon Freiheit nennen.
Das Einpacken für die Rückreise war relativ schnell erledigt, denn schließlich wurde mein Koffer nicht parallel dazu von meinem Sohnemann wieder ausgeräumt und somit ist einpacken eigentlich gar nicht so stressig. Abgesehen davon, dass ich nur an meine Sachen denken musste und nicht auch noch alle möglichen Wettersituationen, sprich von Winterjacke bis Badehose für Flo.

Während des Rückfluges nach Salzburg, fühlte ich mich total entspannt und war froh, dass wir diese kleine Reise unternommen hatten. Es hat uns einfach gut getan und ich denke es war ein wichtiger Schritt für alle Familienmitglieder. Flo war mit Oma und Opa bereits in unserer Wohnung, als wir heimkamen. Ich breitete meine Arme aus und rief höchst erfreut: „Hallo Schatzi!“, worauf hin mein Sohnemann kurz vom Bilderbuch aufblickte um dann bei Oma sitzen zu bleiben. In diesem Moment brach mein Mutterherz und ich schwor mir, nie wieder fort zu fahren ohne meinen geliebten Sohn. Nach ca. einer halben Stunde dürfte ihm dann wieder eingefallen sein, dass es mit mir doch eigentlich auch ganz lustig ist und das Mama-Bussis doch irgendwie auch ganz gut sind. Das stimmte mich versöhnlich und ich war erleichtert, denn unsere nächste Reise ohne Flo ist bereits gebucht.

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